Programm

Mi., 30. September
Tag 1
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Otto-Braun-Saal
Potsdamer Str. 33, 10785 Berlin
Grußworte und Einführung
Auf der 16. Zugang gestalten!-Konferenz, die unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission steht, wird die Staatsbibliothek zu Berlin zum Forum für den Austausch über die Rolle und das Selbstverständnis von Kulturerbeeinrichtungen im Kontext geschichtspolitischer Entwicklungen und Einflussnahmen.
So viele Luthers
Moderation: Prof. Dr. Paul Klimpel
Die politische Vereinnahmung Luthers unter unterschiedlichen, mitunter gegensätzlichen Vorzeichen zeigt, wie sehr Erinnerungskultur von gegenwärtigen Interessen geprägt ist und wie weit sie sich dabei von ihrem historischen Ausgangspunkt entfernen kann.
Zugang zu Erinnerung: Recht, Moral und Verantwortung
Moderation: Reinhard Altenhöner
Der Zugang zu kulturellem Erbe ist eine rechtliche, moralische und institutionelle Herausforderung. Das Panel beleuchtet diese Spannungsfelder aus zwei Perspektiven: Einerseits werden moralische Argumente für Zugangsrechte und legitime Beschränkungen diskutiert, andererseits aktuelle Ansätze zur Digitalisierung und Bereitstellung noch rechtebewehrter Objekte vorgestellt. Eine anschließende Posterpräsentation zeigt anhand von 13 Projekten, wie rechtliche Hürden Lücken im digitalen Gedächtnis entstehen lassen – und welche Lösungswege sich abzeichnen.
Freigeschaltet! Zugang zu rechtebewehrten Sammlungsobjekten
Access Denied: Moralische Gründe für ein Recht auf Zugang und Zugangsbeschränkungen
Kaffeepause & Posterausstellung
Die Teilprojekte der DFG-Pilotphase zur Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Objekte präsentieren Ansätze und erste Ergebnisse, um juristische und technische Hürden im Zugang zu digitalisiertem Kulturerbe zu überwinden.
Perspektiven auf Repräsentation und Mitwirkung
Moderation: Holger Plickert
Zwei Werkberichte sollen die Perspektiven auf Repräsentation und Mitwirkung in den Wikimedia-Projekten weiten: Im ersten Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie sichtbar nichtbinäre historische Persönlichkeiten in unterschiedlichen Sprachversionen der Wikipedia sind. Der zweite Beitrag stellt die digitale Mitmach-Karte „Orte erzählen Demokratie“ vor. Das Projekt will Orte der Demokratiegeschichte sichtbar machen und Bürgerinnen und Bürger zur Mitwirkung anregen. Mit offenen Daten und freien Lizenzen soll so eine partizipative, digitale Erinnerungskultur geschaffen werden.
Sprache, Geschlecht und Quellenlage. Historische Wikipediabiografien jenseits von Mann und Frau
Erinnerung als Commons: Offene Systeme, Partizipation und der Abbau von Barrieren
Abendveranstaltung im Deutschlandmuseum
Leipziger Platz 7, 10117 Berlin
Das Deutschlandmuseum in Berlin setzt auf eine multimediale, immersive Form der Geschichtsvermittlung, die sich in vielerlei Hinsicht von klassischen Museumskonzepten unterscheidet.
Empfang und Führungen
Do., 1. Oktober
Tag 2
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Otto-Braun-Saal
Potsdamer Str. 33, 10785 Berlin
Kolonialgeschichte
Moderation: Prof. Dr. Patricia Rahemipour
Die Geschichte des deutschen Kolonialismus ist in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Damit verbunden sind Fragen nach der musealen Darstellung dieser Vergangenheit sowie nach dem Umgang mit Artefakten aus der Kolonialzeit.
tba
Mathias Brodkorb
Das Portal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ – Digitale Infrastruktur für eine transnationale Erinnerungskultur?
Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Objekte
Die parallel stattfindenden Vertiefungsgruppen setzen sich intensiv mit den unterschiedlichen Schwerpunkten der DFG-Pilotphase zur Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Objekte auseinander und bieten Gelegenheit zu Gesprächen und Diskussionen mit den Projektbeteiligten.
Gruppe 1: Rechtebewehrte Objekte zugänglich machen: Internationale und intertemporale Perspektiven auf das Urheberrecht
Wie viel Spielraum lässt das Urheberrecht Kulturerbeeinrichtungen bei der digitalen Bereitstellung von Kulturgut – national wie international, heute und historisch betrachtet? Im Rahmen eines DFG-geförderten Projekts zu normativen Rahmenbedingungen und juristischen Gestaltungsoptionen der Digitalisierung rechtebewehrter Objekte untersuchen wir sowohl die historische Entwicklung des Urheberrechts als auch aktuelle Reformen. Dabei geht es um die Bedeutung der zum Zeitpunkt der Entstehung oder Veröffentlichung eines Kulturguts geltenden Rechtslage ebenso wie um die Auswirkungen grenzüberschreitender Bezüge auf Schutz, Nutzung und digitale Zugänglichmachung. Ziel der Vertiefungsgruppe ist ein gemeinsamer Austausch über rechtliche Gestaltungsoptionen für eine breitere digitale Zugänglichkeit von Sammlungen.
Gruppe 2: Rechte geklärt – und jetzt? Beschränkten Zugang technisch gestalten
Die Klärung von Rechten und Lizenzen ist der erste Schritt bei der digitalen Zugänglichmachung rechtebewehrter Objekte. Als zweiter Schritt sind die formale Beschreibung und die Konzeption der damit einhergehenden technischen Zugangsbeschränkung erforderlich. Im Workshop erhalten die Teilnehmer:innen anhand von Beispielen konkrete Impulse, welche Aspekte bei der Zugänglichmachung geschützter Objekte jenseits der juristischen Fragen mitgedacht werden müssen. Darüber hinaus bietet die Veranstaltung die Möglichkeit, eigene Praxisbeispiele mitzubringen und diese gemeinsam zu diskutieren.
Gruppe 3: Teilanonymes, teilveröffentlichtes, teilerschlossenes Erbe der Hochschulen – Teil der Lösung
Die vergangenen Stimmen und Blicke aus den Hochschulen finden häufig nur schwer ihren Weg an eine Öffentlichkeit. Oft nicht als Archivgut von Beginn an bewertet und entsprechend unsystematisch überliefert, zeigt sich erst mit der Zeit, welch wichtiges kulturelles Erbe die Sammlungen der Hochschulen bewahren. Nicht zuletzt aufgrund der „Seismographenfunktion“ (Nipperdey) der Studierenden für gesellschaftliche Veränderungen wecken Hochschularchive zunehmend das Interesse von Forschenden. Anhand von Objekten aus drei Hochschulsammlungen werden die Hürden und Möglichkeiten bei der Zugänglichmachung von studentischen Kleinstpublikationen der 70er, DDR-Studierendenfilme sowie medizinischen Filmen skizziert.
Gruppe 4: Open.Oral-History – Ein Tool zur Anonymisierung audiovisueller Forschungsdaten
Oral-History-Interviews sind eine zentrale Quelle der Erinnerungskultur, jedoch häufig aufgrund ethischer und rechtlicher Restriktionen nur eingeschränkt nachnutzbar. Die Vertiefungsgruppe stellt eine KI-gestützte, browserbasierte Anwendung vor, die neue Wege eröffnet, bislang nicht zugängliche audiovisuelle Interviews digital bereitzustellen. Die Open-Source-Anwendung, betrieben auf Servern der Freien Universität Berlin, erzeugt mithilfe automatischer Spracherkennung timecodierte Transkripte. Darauf aufbauend identifiziert sie mittels Named Entity Recognition potenziell zu anonymisierende Begriffe und Passagen. Nach einer qualitativen Prüfung werden Audios, Videos und Transkripte automatisiert unkenntlich gemacht.
Mittagspause mit Lunch
Orte, Objekte, Deutungen. Geschichtspolitik im kulturellen Erbe
Wo zeigt sich (vergangene) Kulturpolitik konkret im kulturellen Erbe, und welche kulturpolitischen Vorgaben prägen die Erinnerung heute? An konkreten Beispielen wird das Zusammenspiel von Geschichtspolitik, dem Wandel geschichtspolitischer Vorgaben und Erinnerung untersucht. Wie lässt sich kulturelles Erbe bewahren, gerade auch angesichts geänderter politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen?
Gruppe 1: Fake History? Authentizität und vertrauenswürdige, digitale Langzeitarchivierung
Objekte des Digitalen Kulturerbes können wie alle digitalen Artefakte beliebig oft kopiert, transformiert, manipuliert und (re-)kontextualisiert werden. Das authentische Original hört somit im Digitalen auf zu existieren, seine „Aura“, um Walter Benjamin zu bemühen, verfällt mit dem Übergang des Materiellen in das Digitale auch aufgrund der verlustbehafteten, technischen Digitalisierung. Den großen Vorzügen der Digitalisierung, insbesondere einer orts- und zeitunabhängigen Auseinandersetzung mit Kulturerbe, steht ein Verlust der unmittelbaren Wirkung und empfundenen Authentizität gegenüber. Dieser Beitrag stellt Überlegungen an, was Authentizität in diesem Spannungsfeld bedeuten könnte und diskutiert technische Ideen, diese zu unterstützen. Wie könnte das Vertrauen in Einrichtungen und ihren guten Leumund zumindest teilweise auf die Digitalisate übertragen werden?
Gruppe 2: Baudenkmäler und Geschichtspolitik
Die Auswirkungen bestimmter historischer Perspektiven und Blickwinkel auf Sammlungsgegenstände in Kulturerbeeinrichtungen werden seit einigen Jahren diskutiert und etwa im Zuge von Provenienzforschung und durch postkoloniale Ansätze bearbeitet. Bei der Erfassung von Kulturerbeobjekten z. B. bei der Sammlungsinventarisierung finden stets Setzungen statt, die durch die Perspektive der meist westlich-europäischen (Kunst- und Kultur-)Geschichte geprägt sind und die Geschichtsschreibung zum Objekt sowie dessen Wahrnehmung stark formen. In der Vertiefungsgruppe gehen wir der Frage nach, inwiefern solche Mechanismen auch in Bezug auf Baudenkmäler und ihre Dokumentation zum Tragen kommen.
Gruppe 3: Denkmäler der Stille: Die Welt der Friedhofskultur
Thomas Höhne
Grabstätten und Denkmäler für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sind tragende Säulen der Erinnerungskultur, die zum Frieden mahnen sowie zur Verständigung zwischen Nationen und Kulturen beitragen. Als Orte der Begegnung und des gemeinsamen Erinnerns sind Friedhöfe identitätsstiftende Kulturräume von hoher historischer Bedeutung. Die Vertiefungsgruppe widmet sich diesen „Denkmälern der Stille“ und ihrer Rolle in der Erinnerungskultur.
Gruppe 4: Digitale Erinnerungskultur zwischen Universalismus und Identitätspolitik
Prof. Dr. Bernadette Collenberg-Plotnikov
Das universalistische Selbstverständnis von Kulturerbeeinrichtungen steht von Beginn an in Spannung mit identitätspolitischen Interessen. Der digitale Wandel verschärft diese Spannungen zusätzlich, denn Zugang zu kulturellen Gütern bleibt auch im Digitalzeitalter das Ergebnis institutioneller Setzungen. Diese Situation bietet zugleich die Chance, Kulturerbeeinrichtungen als institutionell verantwortete Verhandlungsräume auszugestalten, in denen der Anspruch auf ‚Zugang für alle‘ und partikulare Identitätsbezüge reflexiv aufeinander bezogen werden.
Gruppe 5: Spätkoloniale Geschichtspolitik. Das Beispiel der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Wer bestimmt, wie koloniale Vergangenheit erinnert wird und welche Ansprüche daraus erwachsen? Die Debatten um Restitutionsansprüche der 1970er Jahre machen sichtbar, dass mit der Diskussion um kulturelle Güter schon immer zugleich um Geschichte verhandelt wurde. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dient als Ausgangspunkt für die Frage, wie staatliche Museen darauf Einfluss genommen haben, welche Deutungen kolonialer Vergangenheit gesellschaftliche Geltung beanspruchen konnten.
Kaffeepause
Archivnutzung
Moderation: Dr. Adelheid Heftberger
Welche Erwartungen haben Nutzerinnen und Nutzer an Archive und ihre Zugangsregime? Und wie prägen Nutzungsbedingungen Erinnerung und Erinnerungskultur? Diesen Fragen widmet sich das Panel anhand von drei Beispielen aus der filmischen Überlieferung. Den Auftakt bildet ein Überblicksvortrag aus dem Bundesarchiv, der Einblicke in die archivische Praxis gibt. Anschließend wird aus Perspektive der Produktion erörtert, wie NS-Filmerbe auch kommerziell verwertet wird. Schließlich zeigt ein Beitrag zu Frauenschicksalen der Stummfilmzeit, wie Aktenrecherchen neue Perspektiven auf die Filmgeschichte eröffnen können.
Eine Abrechnung – Nutzerperspektiven von Filmproduktionen auf das NS-Filmerbe in Kulturerbeeinrichtungen
Akteneinsicht – Stummfilmpionierinnen in Archiven der Verfolgung und Entschädigung
tba
Dr. Lucyna Harc
Aus dem toten Winkel in den neuen Fokus – Internationale Perspektiven auf das NS-Filmerbe
Moderation: David Kleingers
Welche Erwartungen bestehen an Regelungen zur Zugänglichkeit des NS-Filmerbes und welche Vorbehalte stehen dem gegenüber? Welche Rolle spielen dabei Kulturerbeeinrichtungen?
Die Erschließung des institutionellen Archivs von Yad Vashem als Beitrag zur Erforschung der Erinnerungskultur des Holocaust in Israel – Chancen und Herausforderungen
>Ikonographie der Nazizeit< – Über den Umgang mit Riefenstahls TRIUMPH DES WILLENS nach 1945
tba
Dr. Barbara Tóth
Abendveranstaltung in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Str. 33, 10785 Berlin
Empfang, Posterausstellung und
Führungen durch die Staatsbibliothek zu Berlin
Fr., 2. Oktober
Tag 3
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Otto-Braun-Saal
Potsdamer Str. 33, 10785 Berlin
Ambivalenzen und weiße Flecken
Moderation: Prof. Dr. Michael Hollmann
Kollektive Erinnerung bewegt sich im Spannungsfeld von Ambivalenz und Auslassung. Geschichte ist im Rückblick nie vollständig objektivierbar; zugleich führen Verdrängung und Vergessen dazu, dass bestimmte Ereignisse aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden. Welche Folgen ergeben sich daraus?
Die Veröffentlichung der NS-Mitgliederdatei – eine Wende in der deutschen Erinnerungskultur?
Kannste vergessen! Zu Formen der Damnatio Memoriae in der Demokratiegeschichte und den Folgen für die Erinnerungskultur
Geschichtspolitik in den USA
Moderation: Johannes Neuer
Mit der Wahl Donald Trumps gewinnt das Ringen um geschichtspolitische Deutungshoheit erneut an Aktualität. Welche Folgen hat das für Kulturerbeeinrichtungen? Welchem politischen Druck sind Archive und Museen ausgesetzt?
tba
Prof. Dr. Philipp Gassert
Resümee und Abschluss
Moderation: Prof. Dr. Paul Klimpel
Podiumsdiskussion mit …