Schwerpunktthema

Wie gehen Einrichtungen des Kulturerbes mit den Zeugnissen der Vergangenheit um? Nutzen sie diese, um bestimmte Sichtweisen historischer Entwicklungen zu stützen, oder überlassen sie die Bewertung den Nutzenden und ermöglichen vor allem den Zugang zu den Quellen? Während Museen mit kuratierten Ausstellungen häufig stärker interpretierend arbeiten, verstehen sich Archive und Bibliotheken traditionell eher als Einrichtungen, die sich auf den Zugang zu ihren Beständen konzentrieren. Diese Rollenverteilung gerät jedoch unter Druck, wenn es um ein schwieriges Erbe – etwa rassistische oder antisemitische Zeugnisse – geht: Archive werden kritisiert, wenn sie scheinbar ungefilterten Zugang gewähren, während zugleich geschichtspolitische Eingriffe in Kulturerbeeinrichtungen kontrovers diskutiert werden. Besonders sichtbar wird dies derzeit in den USA, wo unter der Trump-Regierung Archiven und Museen neue geschichtspolitische Vorgaben gemacht und sogar historische Zeugnisse entfernt werden. Doch auch in Deutschland verändern sich Deutungen der Vergangenheit und damit Erwartungen an Museen, Archive und Bibliotheken. Ihnen wird großes Vertrauen entgegengebracht, Zeugnisse der Vergangenheit verantwortungsvoll zu präsentieren – zugleich zeigt etwa der gerichtlich untersagte Versuch der Stadtbücherei Münster, umstrittene Bücher mit Einordnungshinweisen zu versehen, wie sensibel solche Positionierungen sein können.

Diese Fragen berühren unmittelbar auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen Kulturerbeeinrichtungen handeln. Insbesondere das Urheberrecht beeinflusst maßgeblich, welche Zeugnisse der Vergangenheit in welcher Form präsentiert oder digital zugänglich gemacht werden können. Gerade bei Quellen, deren Schutzfristen noch nicht abgelaufen sind oder deren Rechtsstatus unklar bleibt, entstehen häufig Lücken in der digitalen Überlieferung. Dadurch können unbeabsichtigte Verzerrungen des Geschichtsbildes entstehen, wenn bestimmte Materialien aus rechtlichen Gründen nicht oder nur eingeschränkt sichtbar sind. Die Reflexion über solche – nicht intendierten, aber faktisch wirksamen – Effekte des Rechts auf Erinnerungskultur und Geschichtsbilder prägt diese Konferenzreihe von Beginn an und wird auch im Jahr 2026 erneut im Mittelpunkt stehen.

Zugang gestalten! Geschichtspolitik und Erinnerung findet vom 30.09. bis 02.10.2026 in Berlin statt.

Gastgeber: Staatsbibliothek zu Berlin (Standort: Potsdamer Straße 33)