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© Kopf & Kragen Berlin

Menekse Wenzler

Verwaltungsdirektorin des Deutschen Technikmuseum

Frau Menekse Wenzler ist seit 1. August 2019 Verwaltungsdirektorin der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Frau Wenzler hat türkische Wurzeln und wuchs in Berlin auf. Sie hat zwei Kinder im Alter von 5 und 9 Jahren. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin und der Oglethorpe University Atlanta / Georgia. Die 47-jährige Volljuristin war zuletzt Kanzlerin an der Stiftung Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und zugleichGeschäftsführerin der universitätseigenen Viadrina School of Management gGmbH. Zuvor war sie elf Jahre lang Dezernentin für Personal und Rechtsangelegenheiten und davor Justitiarin der Viadrina.

Frau Wenzler sieht ihre Schwerpunkte in der Konzeptionierung und erfolgreichen Implementierung von weitreichenden strukturellen Veränderungsprozessen, wobei eine gelungene Einbindung der jeweils Beteiligten ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Zudem liegen ihre Stärken in der klaren Fokussierung auf ein strategiegeleitetes und zielorientiertes Vorgehen sowie in ihrem stark ausgeprägten integrativen und kommunikativen Talent.

Im Zentrum ihrer Tätigkeit für die SDTB steht die Optimierung und die Digitalisierung der zentralen Verwaltung mit Augenmerk auf eine gute interne Kommunikation und die Schaffung von Transparenz.



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Was bleibt? Nachhaltigkeit der Kultur in der digitalen Welt

September 24, 2013 0

Der folgende Beitrag von Konferenzleiter Paul Klimpel ist eine Vorabveröffentlichung aus der Publikation “Was bleibt? Nachhaltigkeit der Kultur in der digitalen Welt“. Das Buch erscheint am 25. September 2013 bei iRights.Media. Es wird an diesem Tag in der Deutschen Nationalbibliothek vorgestellt. Die Veranstaltung findet von 17 bis 19 Uhr statt.

Frontcover

Was bleibt von den hunderten oder gar tausenden digitaler Fotos, die heute bei einer Hochzeit gemacht werden? Fotoalben von Hochzeiten im letzten Jahrhundert finden sich in den meisten Familien – auch wenn damals weniger fotografiert wurde als heute.

Was bleibt von den Objekten der Medienkunst, deren digitale Technik nach kurzer Zeit schon nicht mehr gebräuchlich ist? Was bleibt von den Ergebnissen der vielen Projekte, in denen heute kulturelles Erbe digitalisiert wird? Was wird aus den Sammlungen originär digitaler Objekte? Was bleibt von Filmen, die zunehmend digital in die Kinos kommen?

Was wird aus der großen Masse digitaler Information gesammelt?

Oder werden die Zeugnisse des kulturellen Schaffens und der Wissenschaft, die auf digitalen Trägern festgehalten werden, schon bald verschwinden? Werden die ersten Jahre nach der digitalen Revolution in der Erinnerung späterer Generationen ein „weißer Fleck“ sein?

Traditionell haben Gedächtnisinstitutionen wie Archive, Bibliotheken und Museen dafür gesorgt, dass die Zeugnisse kulturellen Schaffens für die Nachwelt erhalten bleiben. Doch mit dem Übergang zu digitalen Trägern entstehen gänzlich neue Herausforderungen. Diese betreffen die traditionellen Gedächtnisorganisationen ebenso wie die neuen Formen des kulturellen Gedächtnisses, etwa kollaborative Online-Projekte wie Wikipedia oder History Pin. Es werden neue technische und organisatorische Kompetenzen gefordert, wenn es um Fragen der digitalen Langzeitarchivierung geht.

Nur einige Fragen, die sich stellen: Wie ändert sich durch die Digitalisierung die Rolle von Archiven, Bibliotheken und Museen? Welche Aufgaben nehmen heute Rechenzentren und privatwirtschaftlich organisierte Dienstleister wahr? Wer trägt die Verantwortung für die digitale Langzeitarchivierung, wer finanziert sie? Was bedeutet der Medienwechsel für die kleinen und mittleren Museen und Archive und für die neuen Gedächtnisorganisationen und ihre Rolle in dem Ensemble kultureller Institutionen? Wie lässt sich ein „flüchtiges Medium“ wie das Internet archivieren? Wer entscheidet über die Auswahl? Welche Rolle spielt die Semantik für die Nachhaltigkeit?

In Archiven, Bibliotheken und Museen weiß man aus Erfahrung: Bei jedem neuen Medium sind die Anfangsjahre nicht erhalten. Dies war beim Radio so, auch beim Film oder beim Fernsehen. Die Veränderungen durch die Digitalisierung sind sehr viel weitreichender und dringen in jeden Lebensbereich. Die Herausforderungen an die nachhaltige Sicherung sind gewaltig.

Inhalte auf analogen Trägern bleiben grundsätzlich erhalten, sofern man sie nicht aktiv zerstört. Probleme der Erhaltung treten erst nach einer gewissen Zeit auf, in der Regel vergeht mindestens eine Generation, bis sie akut werden. Bei Inhalten auf digitalen Trägern verhält es sich genau umgekehrt: um sie angesichts häufiger Formatwechsel und der begrenzten Haltbarkeit von Trägermedien erhalten zu können, muss aktiv gehandelt werden.

Wir sind am Scheideweg: Nehmen wir diese Herausforderung an, oder wird sich wiederholen, was wir bei Radio, Film und Fernsehen erlebt haben? Es geht darum, was von den Zeugnissen menschlichen Tuns unserer Zeit – der ersten Jahren der Digitalisierung – in Zukunft erhalten bleibt. „In Zukunft“ heißt in diesem Falle schon in den nächsten 5, 10 oder 20 Jahren. Nachhaltigkeit in der digitalen Welt ist deshalb kein Nischenthema.

Die Herausforderungen sind gewaltig. In den vergangenen Jahren sind bereits wichtige Ansätze formuliert worden, wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist. Diese Publikation nun gibt Zeugnis eines Diskurses, der Nachhaltigkeit und digitale Langzeitarchivierung nicht als ein isoliertes technisches, archivarisches, kulturpolitisches, rechtliches oder finanzielles Problem sieht, sondern die Interdependenz verschiedener Aspekte in den Vordergrund stellt. Diese Betrachtung ist notwendig, will man die Rahmenbedingungen schaffen, Informationen und Wissen im Zeitalter der Digitalisierung zu sichern, zu bewahren und zugänglich zu machen.

So wird in diesem Buch die Problemlage aus unterschiedlicher Perspektive beschrieben. Tobias Beinert und Armin Straube erläutern die Sicht der Gedächtnisinstitutionen. Stefan Wolf geht auf das Verhältnis von kulturellem Erbe und dem Wissenschaftsbereich ein und beschreibt die Bemühungen um eine Infrastruktur zur digitalen Langzeitarchivierung. Eric Steinhauer schließlich nimmt eine juristische Perspektive ein. In Nahaufnahmen werden Einzelaspekte beleuchtet: So erörtert Maik Stührenberg Fragen der digitalen Langzeitarchivierung aus Sicht der IT, und Ralph Giebel zeichnet die Entwicklung der Speichertechnologie nach und geht auf die Rolle der Industrie ein, in einer Welt, in der Informationen und große Datenmengen immer wichtiger werden. In anderen Beiträgen stehen medienspezifische Besonderheiten im Fokus: Andreas Lange beschreibt, wie in offenen, nicht-kommerziellen und kollaborativen Projekten Werkzeuge und Methoden entwickelt wurden, um Videospiele zu erhalten, etwa mit Hilfe von Emulatoren. Jan Fröhlich beschreibt die Herausforderungen der Langzeitarchivierung bei Farbraum und Bildzustand und geht dabei der Frage nach, welchen Charakter und welche Färbung audiovisuelle Inhalte unserer Tage in Zukunft haben werden. Eine gänzlich andere Perspektive bieten Kathrin Passig, wenn sie einen allgemeinen Blick auf Aspekte der Überlieferung nimmt, aber auch Stefan Willer, der den Begriff des kulturellen Erbes kritisch hinterfragt. Kontovers ringen die Autoren um Fragen der Nachhaltigkeit, der Auswahl und der Semantik des Wissens. Während Felix Sasaki verschiedene Ansätze für die Semantik des Netzes darstellt und ihre Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit beleuchtet, positioniert sich Stefan Gradmann klar gegen alle Versuche, Strukturen aufzubauen, die nach seiner Meinung Kontrolle und Zensur im Netz ermöglichen. Jens Best beantwortet Fragen zur Nachhaltigkeit der Wikipedia. Der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann, erläutert traditionelle, auf die Relevanz für staatliches Handeln hin orientierte Auswahlkriterien. Jens Crueger warnt vor dem Verlust von Informationen für die spätere Geschichtsschreibung und entwickelt ein weiteres Verständnis dessen, was zu bewahren ist. schließlich plädiert Georg Rehm eindringlich für die Entwicklung einer Strategie zur digitalen Langzeitarchivierung.

Die Beiträge entstanden im Rahmen einer Initiative des Internet und Gesellschaft Co:llaboratory e. V. Zwischen März und Juni 2013 diskutierten Experten Fragen der Nachhaltigkeit von Kultur in der digitalen Welt. Die Initiative fand statt in Kooperation mit dem Institut für Museumsforschung, dem Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung, nestor, und dem iRights.Lab Kultur. Neben einem wertvollen Diskurs über zahlreiche Einzelaspekte konnten sich diese Experten auf den „Berliner Appell“ verständigen, der die gesellschaftliche Bedeutung des Themas hervorhebt und konkrete Handlungsfelder benennt.

Was bleibt also?

Die Erkenntnis, dass gehandelt werden muss, damit etwas bleibt in der digitalen Welt.


0 comments

  • Glasbild

    August 28, 2016 at 11:54 am

    Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen.Vielen Dank für die tollen Informationen.

    Gruß Anna

    Reply

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